Jugendbotschafter*innen

Unter dem Dach der Jugendbrücke entstanden, heute als Peer-to-Peer-Organisation mit mehr als 100 Mitgliedern selbstständig: Wie der Jugendbotschafter e.V. neue Impulse zur Verständigung setzt.        

Jugendbotschafter e.V – die Geschichte


2015 rief die Jugendbrücke die Youth Ambassador Trainings (YAT) ins Leben – eine Initiative für Jugendliche, die sich für Begegnungen und Dialog zwischen Deutschland und der Türkei einsetzen möchten. In mehrtägigen Workshops, angeleitet von Expert*innen, lernten die Teilnehmenden das Handwerkszeug, um eigene Austauschprojekte umzusetzen.

Drei Jahre später schlossen sich mehrere YAT-Alumni zum Verein Jugendbotschafter e.V. zusammen. Als Organisation von und für Jugendliche setzt das deutsch-türkische Team seitdem eigene Projekte um und unterstützt engagierte junge Menschen aus beiden Ländern dabei, ihre persönlichen Ideen zu realisieren.

Seit 2019 verantwortet der Verein die Trainings für Jugendbotschafter*innen und hat dazu das Youth Ambassadors Starters Program (YASP) entwickelt, welches durch digitale Lerninhalte zu Themen wie digitale Skills, Krisenmanagement oder Medienkompetenz in der YASP Academy ergänzt wird. 2021 stellte der Verein unter anderem das Projekt „Musical Bridges“ mit virtuellen Workshops zur verbindenden Kraft der Musik auf die Beine.

YASP 2021: Kunst und Politik in Polonezköy

Im Oktober 2021 kamen mit finanzieller Hilfe der Jugendbrücke 36 junge Engagierte an einem Ort zusammen, der selbst Symbol für Völkerverständigung ist: Polonezköy, einem kleinen, einst von polnischen Siedler*innen gegründeten Dorf östlich von Istanbul. Mit dabei waren Schüler*innen, Studierende aller Fachrichtungen, junge Berufstätige, die für gemeinnützige Organisationen arbeiten und auch Menschen mit Fluchterfahrung. In dem fünftägigen YASP hatten sie die Wahl zwischen zahlreichen Workshops, unter anderem zu Themen wie Kunst im öffentlichen Raum, Intersektionalität und Politik-Entwicklung. Bereits erfahrene Botschafter*innen vermittelten ihr Know-how, Einsteiger*innen brachten neue Ideen ein.

„Das Mentoring ist Gold wert“

Cengiz Jiménez Laux, 1. Vorsitzender des Jugendbotschafter e.V., über das Peer-to-Peer-Konzept des Vereins und die Pläne für die Zukunft.

Was ist die Deutsch-Türkische Jugendbrücke für Euch, wie arbeitet Ihr zusammen?

Cengiz Jiménez Laux: Erstmal war die Jugendbrücke für uns natürlich eine Art Geburtshelfer, sie hat uns finanziell wie konzeptionell unterstützt und viele Wege geebnet. Das Mentoring, das wir dadurch hatten und noch haben, ist Gold wert – und natürlich auch der Zugang zu einem großen Netzwerk. Einmal im Monat veranstalten wir einen gemeinsamen Jour fixe, diesen Austausch schätzen wir alle sehr.

Ihr habt das Konzept für die Youth Ambassador Trainings neu aufgesetzt – was ist das Besondere?

Cengiz Jiménez Laux: Wir glauben einfach, dass junge Menschen am besten voneinander lernen. Deshalb haben wir uns für den Peer-to-Peer-Ansatz entschieden. Das ist ziemlich einzigartig in der Welt des Jugendaustauschs. Jedenfalls haben wir jedes Jahr weit mehr Bewerbungen als es Plätze im Youth Ambassador Starters Program gibt. Und wer einmal dabei war, wird meistens sofort Vereinsmitglied. Das macht Mut für die deutsch-türkischen Beziehungen, denn unsere Generation ist es, die in ein paar Jahren die Verantwortung dafür trägt.

Euer Verein wächst, wie schafft Ihr das organisatorisch?

Cengiz Jiménez Laux: Wir sind inzwischen mit fünf Vorstandsmitgliedern gut aufgestellt, außerdem haben wir „Local Chapters“ in Ankara, Berlin, Istanbul und Stuttgart gegründet, damit die Mitglieder sich vor Ort besser vernetzen können. In Ankara kooperieren wir zum Beispiel mit einem Studierendenverein, dem „Middle East Technical University Foreign Policy and International Relations Club“. Zusätzlich zu den „Local Chapters“ haben wir zwei Positionen in den Bereichen IT und Projektmanagement besetzen können. Gerade erst haben wir ein virtuelles Büro auf Gather eingerichtet, in dem wir regelmäßig zusammenkommen. Es macht Spaß, unsere Strukturen so zu professionalisieren, dass immer mehr Projekte möglich werden.

Welche Projekte stehen als nächstes an?

Cengiz Jiménez Laux: Unter anderem ein Projekt, das sich der psychischen Gesundheit von Geflüchteten widmet und ganz konkret helfen soll. Außerdem planen wir einen kulinarischen Austausch, im ersten Schritt wird ein Koch aus der Türkei nach Deutschland kommen und dort Kurse anbieten. Und natürlich wird es auch 2022 das Youth Ambassadors Starters Program geben – wir freuen uns schon darauf!

Cengiz Jiménez Laux hat deutsche, türkische und spanische Wurzeln. Er stammt aus Berlin und engagiert sich bereits seit seinem Europäischen Freiwilligendienst 2015 in der Türkei als Jugendbotschafter. Derzeit absolviert Cengiz das „German Turkish Masters Program in Social Sciences“ in Ankara.